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 Motiv: © vege, fotolia.com

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07.06.2018

Zukunftstraum Unternehmer sein?

Kolumne
Von IHK-Vizepräsidentin Petra Krenn


Wenn wir mehr Gründer wollen, brauchen wir ein anderes Unternehmerbild!


Im Saarland gehen die Gründungszahlen zurück - seit nunmehr acht Jahren schon. Die Gründe sind vielfältig und zum Teil schwer beeinflussbar. So stehen aufgrund der demographischen Entwicklung unserem Land bis zum Jahr 2035fast ein Viertel weniger Personen im erwerbsfähigen Alter zur Verfügung – und damit immer weniger potentielle Gründer. Hinzu kommt der brummende Arbeitsmarkt mit hervorragenden Beschäftigungs- und Karrierechancen im Angestelltenverhältnis.

„Warum in einer solch komfortablen Lage das Wagnis Selbstständigkeit eingehen?“ - das dürften sich viele fragen. „Weil Unternehmer sein toll ist“, möchte man antworten. Weil  der „Beruf“ Unternehmer  Berufung sein kann. Weil er enorme Gestaltungsmöglichkeiten bietet, große Verantwortung mit sich bringt und gesellschaftlich ungeheuer wertvoll ist. Sollte es da nicht für jeden jungen Menschen ein Traum sein, Unternehmer zu werden?

Leider sieht die Realität ganz anders aus. Die wenigsten Jugendlichen setzen sich eine selbstständige Tätigkeit zum beruflichen Ziel. Kein Wunder: In unserem Land gibt es keine ausgeprägte Kultur der Selbstständigkeit. Sowohl in den Medien als auch in Schulbüchern werden die vielfältigen und spannenden Aspekte des Unternehmertums bisher kaum vermittelt – genauso wenig wie die positiven sozialen Wirkungen unternehmerischer Tätigkeit. Und im „Tatort“ ist der Unternehmer zwar nicht immer gleich der Mörder. Aber wenn er als Figur im Drehbuch auftaucht, dann gern als sagenhaft reicher Ausbeuter seiner Mitarbeiter - ein Zerrbild, völlig abseits der Realität.

Dieses Zerrbild müssen wir schnellstmöglich korrigieren. Und wir müssen früh damit anfangen, spätestens in unseren Schulen. Insbesondere die Bildungspolitik ist daher gefordert: In den Lehrplänen der saarländischen Bildungseinrichtungen sollte die Vermittlung eines realistischen Bildes unternehmerischer Tätigkeit fest verankert werden. Gleiches gilt für grundlegendes ökonomisches Wissen, das für eine Unternehmensgründung Voraussetzung ist. Um eine neue Kultur der Selbstständigkeit authentisch zu vermitteln, sollten zudem Praktiker aus der Wirtschaft noch viel häufiger in den Unterricht integriert werden.

Wichtig ist aber auch, dass die Studenten der saarländischen Hochschule die Bandbreite und Leistungsfähigkeit der saarländischen Wirtschaft kennen und möglichst früh persönlichen Kontakt zu den Mittelständlern im Land haben – dies auch deshalb, weil Nachfolge eine ideale Form der Gründung ist und im Saarland zahlreiche Betriebe zur Übergabe anstehen. Hier sind insbesondere die Professoren gefordert. Grundvoraussetzung ist, dass sie die Stärken des Wirtschaftsstandortes selbst kennen und vermitteln können. Wenn sie dann noch für ihre Studierenden als aktive Türöffner zu den saarländischen Unternehmen handeln, wäre das ideal.

Insgesamt müssen wir erreichen, dass unser Mittelstand sehr viel enger mit unseren Schulen und Hochschulen verzahnt wird. Dann wird Unternehmertum plastisch und vielleicht sagen schon bald viel mehr junge Menschen im Land: „mein Zukunftstraum?: Ich werde Unternehmer“.